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Köln weiter denken.

Zukunft gestalten.

Die Neue Mitte Köln.

Wer wir sind und was wir machen.

Die NMK ist ein gemeinnütziger Verein aus Kölnerinnen und Kölnern und allen, denen die Zukunft der Stadt wichtig ist – sprich, allen, die das gemeinsame Ziel vereint, Köln zukunftsfähig zu machen, mit dem Anspruch einer internationalen Metropole, die ökologischen Mehrwert bietet, die lebenswert und wirtschaftlich attraktiv ist.

Dazu hat die NMK ein Verkehrskonzept entwickelt, das die Basisvoraussetzung für die Erreichung dieser Ziele schafft.

Für dich. Für uns. Für Köln.

Unser Ziel:

Köln soll eine lebenswerte und wirtschaftsstarke Stadt bleiben.

Attraktiv. Lebendig. Innovativ.

Weiter denken für morgen – was gehört dazu?

Möglichkeiten auf Basis des neuen Verkehrskonzepts

Viewport indicator

Bessere 
Vereinbarkeit 
von Wohnen 
und Arbeiten 

Eine Stadt 
der kurzen 
Wege 

Neue 
Wohnungen 

Der neue 
Fernbahnhof 
Köln-Kalk 

Platz 
für neue 
Kultur- und 
Bildungs-
Räume

Neue 
Bäume und 
Grünflächen

Gestärkte 
Anbindung Kölns 
an Deutschland 
und Europa 

Bis zu 15 Min.
schnellere 
Reisezeit im 
Fernverkehr 

Neue 
Fußwege 

Barrierefreie 
Radwege 

Städtebauliche 
Klimaresilienz 

Neuer 
Raum für 
Gewerbe 

Bessere 
Vernetzung der 
Stadtquartiere 

Wohnen und 
Arbeiten auf 
stillgelegtem 
Bahngelände 

Köln ist einer der bedeutendsten Schienenverkehrs­knoten Deutschlands und Europas.

Hier kreuzen sich zentrale Nord-Süd- und West-Ost-Verbindungen des Personen- und Güterverkehrs. Die Stadt nimmt damit eine Schlüsselrolle im europäischen Verkehrsnetz ein und ist ein wichtiger Standort für Wirtschaft, Mobilität und Wachstum.

Gleichzeitig gehört der Bahnknoten Köln zu den am stärksten belasteten Schienenverkehrssystemen Deutschlands. Die bereits geplanten und laufenden Ausbaumaßnahmen werden bestehende Engpässe bis etwa 2040 spürbar verbessern. Langfristig stellt sich jedoch die Frage, wie das Schienensystem einer wachsenden Metropole auch darüber hinaus leistungsfähig, robust und ausbaufähig bleiben kann.

Die Neue Mitte Köln ist eine Zukunftsvision für die Zeit nach den aktuellen Ausbauprojekten. Sie integriert bestehende Planungen und entwickelt Perspektiven für die Zeit bis 2060. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass die weitere Konzentration des Bahnverkehrs auf den Hauptbahnhof und das Kölner Stadtzentrum langfristig einen strukturellen Engpass darstellt. Um die Leistungsfähigkeit des Schienenverkehrs dauerhaft zu sichern, braucht es neue Lösungen, die Kapazitäten schaffen und das System widerstandsfähiger machen.

Deshalb verfolgt die Neue Mitte Köln das Ziel, den Bahnverkehr durch einen neuen Fernbahnhof in Köln-Kalk schrittweise zu entflechten und die Verkehrsströme stärker zu dezentralisieren. Dadurch können die Kölner Innenstadt und der Hauptbahnhof langfristig entlastet, die Erreichbarkeit verbessert und neue Entwicklungsspielräume geschaffen werden.

Die Neue Mitte Köln ist damit weit mehr als ein Infrastrukturprojekt. Sie verbindet verkehrliche Weiterentwicklung mit städtebaulichen Chancen – sowohl für die Innenstadt als auch für die rechtsrheinischen Stadtteile. Gleichzeitig eröffnet sie neue Perspektiven für Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Kultur und stärkt die Wettbewerbsfähigkeit Kölns als europäische Metropole.

Unser Ziel:
Infrastruktur langfristig sichern.
Verkehr neu denken.
Stadtentwicklung ermöglichen.

Was uns bewegt

Im Gespräch mit unseren Mitgliedern

Prof. em. Dr. Ingrid Breckner, HCU Hamburg, Stadt- und Regionalsoziologin

Prof. em. Dr. Ingrid Breckner

HCU Hamburg, Stadt- und Regionalsoziologin

Hier kann ein Verein eine besondere Rolle übernehmen: Er kann unterschiedliche Perspektiven bündeln: Stadtentwicklung, Mobilitätswende, demografische Fragen, wirtschaftliche und finanzielle Effekte, und daraus eine verständliche Argumentation machen.

Prof. em. Siegfried Mängel, Bauingenieur, em. Geschäftsführer Planungsgesellschaft Bahnbau Deutsche Einheit (PBDE) und Ehrenmitglied NMK

Prof. em. Siegfried Mängel

Bauingenieur, em. Geschäftsführer Planungsgesellschaft Bahnbau Deutsche Einheit (PBDE) und Ehrenmitglied  NMK

Für mich ist die Neue Mitte Köln die einzige wirklich neue Idee für diese Stadt seit dem Zweiten Weltkrieg. Und zwar nicht als Einzelprojekt, sondern als ganzheitlicher Ansatz. Sie denkt Verkehr, Stadtent­wicklung und regionale Wirkung zusammen – und das wird einer Stadt wie Köln endlich gerecht.

M.Sc. Anissa Vogel, Geographisches Institut, Universität zu Köln

M.Sc. Anissa Vogel

Geographisches Institut, Universität zu Köln

Die NMK ist für mich spannend, weil sie eben kein inkrementelles Weiterbauen ist, sondern der Versuch, Stadt bewusst neu auszurichten. Solche Momente sind selten, und genau dort entscheidet sich, ob Städte künftig anpassungsfähiger und robuster werden oder alte Strukturen fortschreiben.

Prof. em. Dr. Ingrid Breckner, HCU Hamburg, Stadt- und Regionalsoziologin

Prof. em. Dr. Ingrid Breckner

HCU Hamburg, Stadt- und Regionalsoziologin

Interview mit Prof. Dr. Ingrid Breckner

Welche Fragen stellt eine soziologische Perspektive an ein Projekt wie die Neue Mitte Köln, die sonst leicht übersehen werden?

Aus soziologischer Perspektive ist zuerst wichtig zu verstehen: Ein Hauptbahnhof ist kein rein technischer Verkehrsknoten, sondern in eine hochkomplexe soziale Dynamik eingebunden. Bahnhöfe bündeln sehr unterschiedliche Nutzergruppen, Menschen aus der Stadt, Pendlerinnen und Pendler, Besucherinnen und Besucher, Touristinnen und Touristen. Und sie ziehen zugleich soziale Randgruppen an, die im öffentlichen Raum besonders sichtbar werden.

Wenn diese soziale Realität nicht aktiv mitgedacht wird, können Bahnhöfe zu Krisenorten werden.
Ein zweiter Punkt ist die Frage der Zumutbarkeit. Bei vielen Planungen wird überschätzt, was Menschen im Alltag tatsächlich leisten können und wollen: lange Wege, tiefe Untergeschosse, komplizierte Umstiege. Gerade an großen Bahnhöfen sind das keine Details, sondern Qualitätsentscheidungen.

Und schließlich ist ein Bahnhof immer auch ein Symbol: Er ist eine Adresse, ein Ort des Ankommens. Wenn ein Fernbahnhof an einen neuen Standort verlagert wird, verändert das die Ankunft in der Stadt und damit auch das Bild der Stadt.

Welche gesellschaftlichen Gruppen könnten von einer Neuordnung der Kölner Verkehrsinfrastruktur besonders betroffen sein – positiv wie negativ?

Man muss sehr konkret auf Gruppen und ihre Interessen schauen. Zum Beispiel die Gewerbetreibenden rund um den heutigen Bahnhof. Sie werden zunächst Frequenzverluste befürchten, wenn Funktionen verlagert oder entzerrt werden. Umgekehrt können Gewerbetreibende in Kalk eine Chance für bessere Geschäfte erhalten.

Für Touristinnen und Touristen ist die Frage besonders sensibel: Viele möchten „am Dom“ ankommen. Wenn der Fernverkehr in Kalk endet, braucht es eine sehr gute Informations- und Umstiegslogistik. Außerdem eine Ankunftssituation, die nicht wie ein Provisorium wirkt. Gleichzeitig kann genau darin auch eine Chance liegen: Tourismus kann sich verteilen, neue Orte können sichtbar werden – vorausgesetzt, der neue Stadtteil entwickelt echte Qualitäten.

Eine weitere große Gruppe sind Pendlerinnen und Pendler. Hier würde ich sehr früh eine systematische Pendleranalyse ansetzen: Ein- und Auspendler, Wegeketten, Ziele, Zeitbudgets, Ticketlogiken. Es reicht nicht zu sagen „Regional bleibt hier, Fern geht dahin“. Man muss verstehen, welche Alltagsmobilität dadurch besser wird, und wo sie schlechter wird. Die Organisation der Verkehre muss so gestaltet sein, dass Pendler nicht strukturell verlieren.

Sehr stark betroffen sind außerdem Menschen mit Mobilitätseinschränkungen im weiten Sinn: Seh- und Hörbeeinträchtigungen, körperliche Einschränkungen, Kinderwagen, Rollatoren, Rollkoffer. Viele Projekte lernen das erst spät und teuer: Nachrüstung von Aufzügen und Rolltreppen ist extrem aufwendig. Deshalb muss Barrierearmut von Beginn an als Kernkriterium mitlaufen, nicht als Zusatz.

Und schließlich: Es gibt Gruppen, die man oft verdrängt. Rund um Bahnhöfe bündeln sich soziale Problemlagen, auch Drogenproblematiken. Reine Verdrängung funktioniert in keiner Stadt dauerhaft. Was hilft, ist soziale Infrastruktur mit professioneller Kompetenz – Anlaufstellen, Sozialarbeit, „Auffang“-Strukturen. Das ist unbequem, aber es gehört zur Realität eines großen Bahnhofs.

Welche Funktion kann eine zivilgesellschaftliche Initiative wie die NMK aus Ihrer Sicht im Spannungsfeld von Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit übernehmen?

Die Stärke einer zivilgesellschaftlichen Initiative liegt darin, eine Neuordnung sachlich und multiperspektivisch zu begründen, und genau das fehlt häufig. Wenn Verkehrsinfrastruktur verändert wird, verläuft die Debatte schnell interessenbezogen: Bahn, Verwaltung, Einzelinteressen. Die Nutzungsperspektive, also die Frage, wie Bahninfrastruktur als öffentliches Gut für alle funktioniert, bekommt zu selten eine eigene Stimme.

Hier kann ein Verein eine besondere Rolle übernehmen: Er kann unterschiedliche Perspektiven bündeln: Stadtentwicklung, Mobilitätswende, demografische Fragen, wirtschaftliche und finanzielle Effekte, und daraus eine verständliche Argumentation machen. Nicht als Lobby, sondern als Korrektiv: Was bedeutet das für Nutzergruppen? Was bedeutet es für das Ankommen, für Umstiege, für
Aufenthaltsqualität, für die Erschließung neuer städtischer Entwicklungsperspektiven?

Zivilgesellschaftliche Initiativen sind dann schwach, wenn sie nur mit einem Argument auftreten: „Es muss alles so bleiben.“ Es gibt viele Beispiele, wo Gruppen ausschließlich den Status quo verteidigen, ohne eine tragfähige Alternative oder ohne die Folgen eines „Weiter so“ zu benennen. Eine Initiative wie die NMK kann genau das leisten: sichtbar machen, warum der bestehende Zustand veränderungsbedürftig ist und warum eine Verlagerung des Fern- und Güterverkehrs zumindest eine ernsthaft prüfbare Alternative sein kann.

Und noch ein Punkt: Dass ein zivilgesellschaftlicher Verein überhaupt den Sachverstand organisiert, um eine so komplexe Frage untersuchen zu lassen, ist eine Eigenleistung, die eigentlich von der öffentlichen Hand kommen müsste. Diese Form einen „Wissenspool“ aufzubauen, ist sehr selten.

Woran würden Sie erkennen, dass ein Projekt wie die Neue Mitte Köln gesellschaftlich neu justiert oder sogar gestoppt werden sollte?

Ein Stopp oder eine grundlegende Neujustierung wird dann wahrscheinlich, wenn sich eine anhaltende Ablehnung bei allen zentralen Akteuren abzeichnet, wenn die Bahn, die Stadt, das Land nicht mitgehen und damit wichtige Förder- und Planungspfade verschlossen bleiben. Und zusätzlich, wenn sich in der Öffentlichkeit eine Stimmung festsetzt, die kaum noch drehbar ist.

In so einer Situation müsste man mindestens über Mediation und Planungsalternativen nachdenken: Wo sind Stellschrauben? Was ist verhandelbar? Was nicht?

Gleichzeitig gilt: Wenn Politik und Öffentlichkeit gewonnen werden können, entsteht auch Druck auf die Bahn. Öffentlichkeit ist bewegbar aber sie braucht verständliche Informationen und eine professionelle Begleitung. Hier spielen Medien eine zentrale Rolle: Wie wird ein Prozess journalistisch begleitet? Welche Narrative setzen sich fest? Welche Missverständnisse entstehen?

Politik wiederum hat ein strukturelles Problem: Bindung an Legislaturperioden. Viele große Projekte scheitern nicht am ersten Entwurf, sondern daran, dass Verantwortung über Zeiträume organisiert werden muss, die weit über einzelne Amtszeiten hinausgehen.

Welche Punkte sollten in der Umsetzungs- & Wirkungsstudie Ihrer Meinung nach vordergründig untersucht werden?

Für die Studie ist entscheidend, den Mehrwert eines neuen Fernbahnhofes so herauszuarbeiten, dass er für verschiedene Gruppen nachvollziehbar wird: für den Standort heute, für den Standort Kalk und für die Gesamtstadt, und zwar für unterschiedliche Nutzergruppen und für die regionale wie überregionale Erreichbarkeit.

Wenn das Gutachten fertig ist, sollte man es lesen können und denken: „Puh – das wäre tatsächlich ein Gewinn.“ Das muss klar und ehrlich sein, nicht schön gerechnet.

Zweitens braucht es technologische und zeitliche Realisierungsoptionen. Wenn sich bestimmte Großlösungen als nicht machbar erweisen, muss man trotzdem in sinnvollen Optionen denken: Erschließung, Umstieg, Tiefenlagen, Machbarkeit im Bestand, Etappierbarkeit.

Drittens: Pendlerströme und Alltagsmobilität systematisch analysieren – inklusive Kosten- und Ticketrealitäten. Das ist nicht nur Verkehr, das ist soziale Gerechtigkeit im Alltag.

Viertens: Barrierearmut und Nutzerkomfort als harte Kriterien – Aufzüge, Rolltreppen, Wegeführungen, Oberflächen, Orientierung, Geräuschkulissen, Aufenthaltsqualität. Das sind die Faktoren, die später Akzeptanz oder Ablehnung prägen.

Und schließlich: Wenn in Kalk ein neuer Stadtteil entstehen soll, ist Güterverkehr oberirdisch mit Tag-und-Nacht-Lärm eine massive Hürde. Ein Bahnhof braucht ein Stadtumfeld, sonst steht er am Ende in einem faktischen Gewerbegebiet. Ohne tragfähige Lösung für Lärm, Umfeldqualität und Folgekosten wird die Stadtentwicklung nicht funktionieren.

Prof. em. Siegfried Mängel, Bauingenieur, em. Geschäftsführer Planungsgesellschaft Bahnbau Deutsche Einheit (PBDE) und Ehrenmitglied NMK

Prof. em. Siegfried Mängel

Bauingenieur, em. Geschäftsführer Planungsgesellschaft Bahnbau Deutsche Einheit (PBDE) und Ehrenmitglied  NMK

Interview mit Siegfried Mängel

Was hat Sie persönlich bewogen, die Neue Mitte Köln zu unterstützen? Was fasziniert Sie an der Idee?

Für mich ist die Neue Mitte Köln die einzige wirklich neue Idee für diese Stadt seit dem Zweiten Weltkrieg. Und zwar nicht als Einzelprojekt, sondern als ganzheitlicher Ansatz. Sie denkt Verkehr, Stadtentwicklung und regionale Wirkung zusammen – und das wird einer Stadt wie Köln endlich gerecht.

Mich überzeugt außerdem, dass hier bürgerliche Verantwortung sichtbar wird. Es ist kein Verwaltungsprojekt, sondern eine Initiative aus der Mitte der Stadtgesellschaft. Das hat Substanz.

Welche verkehrlichen Herausforderungen stecken in der Vision?

Ich sehe keine unlösbaren Herausforderungen, solange der politische und gesellschaftliche Wille da ist. Technisch ist vieles machbar. Entscheidend ist, ob man bereit ist, groß zu denken und langfristig zu handeln.

Die eigentliche Frage ist nicht die Machbarkeit, sondern die Entschlossenheit.

Große Verkehrsinfrastruktur ist immer Teil eines Systems. Wo liegen aus Ihrer Erfahrung die größten blinden Flecken in frühen Projektphasen?

Der größte blinde Fleck ist oft, dass die Menschen nicht mitgenommen werden. Infrastruktur verändert Lebensräume und wenn diese Veränderungen nicht transparent erklärt und diskutiert werden, entsteht Widerstand.

Was ist das Besondere an der Vision? Welche stadträumlichen Auswirkungen könnte sie für Köln und die Region haben?

Die Vision eröffnet die Möglichkeit, zentral in Köln rund 20.000 neue, bezahlbare Wohnungen zu schaffen und das nicht am Stadtrand, sondern mitten in der Stadt. Das ist ein enormer sozialer und städtebaulicher Hebel.

Gleichzeitig würde der Güterverkehr, einschließlich gefährlicher Transporte, aus dem innerstädtischen Bereich herausgeführt. Das bedeutet mehr Sicherheit und Lebensqualität.

Das ist keine Detailkorrektur, sondern eine strukturelle Verbesserung für die gesamte Region.

Warum braucht es aus Ihrer Sicht überhaupt einen Verein wie die NMK – und was könnte die öffentliche Hand allein nicht leisten?

Die Bahn und die öffentliche Hand sind häufig in ihren eigenen Strukturen gefangen. Dort fehlt oft der Freiraum für wirklich großes, integriertes Denken.

Ein Verein wie die NMK kann unabhängiger, freier und visionärer agieren. Er kann Impulse setzen, Debatten anstoßen und Perspektiven öffnen, die innerhalb bestehender Institutionen schwer entstehen.

M.Sc. Anissa Vogel, Geographisches Institut, Universität zu Köln

M.Sc. Anissa Vogel

Geographisches Institut, Universität zu Köln

M.Sc. Anissa Vogel, Geographisches Institut, Universität zu Köln

Interview mit Anissa Vogel

Was hat Sie persönlich bewogen, die NMK zu unterstützen?

Die NMK ist für mich spannend, weil sie eben kein inkrementelles Weiterbauen ist, sondern der Versuch, Stadt bewusst neu auszurichten. Solche Momente sind selten, und genau dort entscheidet sich, ob Städte künftig anpassungsfähiger und robuster werden oder alte Strukturen fortschreiben. Gerade weil große Infrastruktureingriffe Dynamiken verschieben, liegt darin eine enorme Relevanz – und ein bewusst anderes Tempo und eine andere „Entwurfsenergie“ als in klassischen Planungen.

Was leistet eine stadtgeographische Perspektive bei großen Infrastruktur- und Stadtprojekten, was andere Disziplinen oft nicht abdecken?

Die Stadtgeographie fragt weniger „funktioniert es technisch?“, sondern: Was verändert sich im System der Stadt, und für wen? Sie versteht Stadt als gekoppeltes, relationales Gefüge aus Infrastruktur, Alltag, Märkten, Klima und Governance. Wir sehehen uns als Universalisten, die die Stadt als System im Blick behalten. Entscheidend ist, welche langfristigen Pfade stabilisiert oder ausgeschlossen werden. Damit lesen wir räumliche Entscheidungen eher als Strukturentscheidungen.

Was bedeutet urbane Resilienz jenseits einzelner baulicher oder technischer Lösungen?

Resilienz heißt nicht mehr Stabilität im Sinne von „Standhalten“, sondern die Fähigkeit, unter Unsicherheit handlungsfähig zu bleiben. Entscheidungen müssen lernfähig, überprüfbar und anpassbar sein. Auch mit der Bereitschaft zur Transformation, wenn Bestehendes nicht mehr trägt. Resilienz entsteht nicht durch Einzelmaßnahmen, sondern durch die Verzahnung von sozialen und infrastrukturellen Systemen, und sie ist immer auch eine Gerechtigkeitsfrage („just resilience“), weil Risiken nicht einfach verlagert werden dürfen. Und Resilienz ist damit natürlich auch Systemrelevant, wenn Klima-
Sicherheits- und/oder Soziale Systeme ausfallen, kann das weitreichende Kaskaden auslösen.

Welche Rolle können zivilgesellschaftliche Initiativen übernehmen?

Zivilgesellschaft wirkt dort, wo formale Systeme träge sind: Sie macht Alltagswissen, Bedürfnisse und Verwundbarkeiten sichtbar und bringt sie in die Planung ein. Sie schafft Räume für Experimente und Co-Kreation, gerade bei schwer greifbaren Themen wie Klimarisiken. Gleichzeitig darf sie staatliche Verantwortung nicht ersetzen, sondern ergänzt sie als Impulsgeber und Übersetzer gesellschaftlicher Realität.

Welche Themen sollten, in der jetzigen Phase, vordergründig untersucht werden?

Im Vordergrund steht die Frage, wie ein solcher Transformationsprozess lernend organisiert werden kann: Wie werden Wirkungen überprüft, Feedback integriert und Anpassungsfähigkeit gesichert?
Zugleich braucht es eine präzise Analyse der Verteilungswirkungen: Wer profitiert wann und wo, und wo entstehen neue Belastungen, etwa beim Wohnen oder in bestehenden Quartieren?
Zentral ist außerdem, Klimaresilienz als verbindliche Steuerungsgröße zu definieren, mit messbaren Zielen (z. B. Hitze, Wasser, Sicherheit) und einer transparenten Bilanzierung der Wirkungen.

Paul Böhm: Ein Konzept für Köln